Change = Verändern + Bewahren

Das Modewort „Change“ ist nach wie vor in aller Munde. Die aktuellen Herausforderungen wollen gemeistert werden, also muss Neues her, was auch immer das konkret heißen mag. Wenn Veränderung der Veränderung willen geschieht, welche Dynamik entsteht da?

Veränderungswillige sind willkommen. Sie werden auf die Bühne geholt, sind gern gesehene Teilnehmer*innen in Projekt- und Arbeitsgruppen, können sich und ihre Ideen einbringen, werden also auch inhaltlich zur Mitgestaltung eingeladen. Damit bekommen sie ihre Chance, als Held*innen der Stunde gefeiert zu werden und somit karrieremäßig einen Schritt nach vorne zu machen.

Ihnen gegenüber stehen die Bewahrer. Erst mal als Verhinderer, Bremser, Skeptiker gebrandmarkt, kriegen sie die volle Wucht dieser Entwertung zu spüren. Ihre Beiträge werden kaum beachtet, bestenfalls belächelt oder mit scharfen Worten abgetan. Ihre Chancen auf ein Fortkommen sinken gegen Null. Oft werden sie geduldet – weil die Unternehmensleitung auf ihr fachliches Know-how angewiesen ist oder den Konflikt scheut.

Der Beitrag der bewahrenden Kräfte

Dabei sind sie – so eigenartig das aufs erste klingen mag – für das Gelingen der Veränderung aus mehreren Gründen von großer Bedeutung.

Zum einen inhaltlich: Die Bewahrer weisen darauf hin, welche aktuellen Stärken und Qualitäten es „hinüberzuretten“ gilt, sind also die Fürsprecher für alles, was das Unternehmen bisher ausgezeichnet hat. Und sie machen durch ihre skeptische Haltung auf Stolpersteine und wichtige Hindernisse aufmerksam, die es zu meistern gilt. Die Bewahrer warnen also vor Sackgassen, Klippen und Falltüren – alles natürlich unter der Voraussetzung, dass sie ihre Beiträge in konstruktiver Weise einbringen (können).

Und das bringt uns zum zweiten Punkt: Natürlich sind sie auch aus gruppendynamischer Sicht ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Fast in jedem Veränderungsprozess geht es auch darum, die Meinungsführer*innen und in weiterer Folge eine kritische Masse an Menschen von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen und dadurch zum Mitgehen zu gewinnen.

Jede*r Change-Manager*in wie auch Berater*in tut daher gut daran, auch den bewahrenden Kräften eine Bühne zu geben und mit Wertschätzung zu betonen, was es alles mitzunehmen und zu bewahren gilt. Gelingt dies, fällt es auch gleich wesentlich leichter, sich von lieb aber unnütz gewordenen Dingen zu trennen.

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2021-03-23T12:16:23+01:00
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