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17.07.2011 | Sag mir wohin!

Stürmische See. Sie befinden sich auf einem mehr oder weniger großen Boot. Dem Kräftespiel von Wind und Wellen ausgesetzt. Vielleicht haben Sie das Steuer selbst in der Hand, vielleicht auch jemand anders. Wie auch immer - Sie wollen jedenfalls, dass das Boot auf Kurs bleibt. Rund um Sie viele kleine und einige größere Inseln, von denen Sie die eine oder andere ansteuern. Keine leichte Aufgabe bei stürmischen Verhältnissen. Vielleicht unternehmen Sie große Anstrengungen und stemmen sich mit aller Kraft gegen die widrigen Elemente, rennen mal hierhin, mal dahin ... stets im Bestreben dafür zu sorgen, dass die Fahrt gut weitergehen kann. Sie tun dies, tun das, setzen sich ein, nehmen die Herausforderung an. Sie wollen, dass es gut weitergeht ..... Und irgendwann halten Sie inne, weil Ihnen etwas eigenartig vorkommt. Zuerst können Sie noch gar nicht sagen, was es ist - es ist nur irgendwie anders. Und dann plötzlich fällt es Ihnen auf: Sie merken, dass nicht nur Sie selbst und das Boot in Bewegung sind - auch die Inseln rund um Ihr Boot bewegen sich, verändern ihre Position. Manche verschwinden ganz, andere neue tauchen auf ..... Und Sie fragen sich, wie Sie unter diesen Umständen feststellen sollen, ob das Boot in die richtige Richtung fährt. Wer soll da den richtigen Kurs bestimmen? Wohin???

Finden Sie sich in diesem Bild wieder?


Nicht alles, was hinkt ...

... ist ein Vergleich. Zugegeben, ich liebe Metaphern. Fällt Ihnen auch auf, dass gerade im Sommer Schiffe, Meer, Hafen etc. dafür bemüht werden? Wie dem auch sei. Je turbulenter die Umstände, umso größer ist jedenfalls die Sehnsucht nach schönem Wetter und entspanntem Schaukeln in ruhigen Gewässern.

Offensichtlich empfinden viele das aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld als durchaus turbulent. „Extreme Schwankungen voll von Ungewissheit und Unberechenbarkeit ... Unternehmen haben entweder Sorgen, dass ihnen Aufträge und Umsätze wegbrechen. Oder sie haben Probleme, wie sie die plötzliche Flut von Aufträgen und Anfragen bewältigen sollen.“ O-Ton eines oberösterreichischen Wirtschaftskapitäns.

Nicht viel anders verhält es sich mit der persönlichen Lebenswelt vieler. Stabilität ist schon ein Fremdwort geworden, ein Anachronismus. Rhythmus? Ist uns abhanden gekommen. Rollen und Rituale, die Orientierung bieten, an denen man sich immer wieder festhalten kann? Verschwinden immer mehr. Stattdessen das Zeitalter Smartphone: die permanente Erreichbarkeit, 24 Stunden lang, 7 Tage die Woche. Die omnipräsente Verfügbarkeit von jeglicher digital vorhandener Information aus dem Netz. Das selbstverständliche Eingebettet-Sein in soziale Netzwerke, die Zugehörigkeit und scheinbare soziale Sicherheit vermitteln. Die Vermischung von Rollen, Räumen und Lebenswelten. Keines dieser Phänomene ist per se abzulehnen. Jedoch: Wann darf Ruhe einkehren? Und woher kommt Orientierung?

Kehren wir zurück zu unserem Ausgangsbild. Wofür steht das Boot, das sich seinen Weg zu suchen hat? Steht es für Sie persönlich, werte/r LeserIn, Sie in Ihren vielen Lebenswelten und Rollen? Oder für Ihr Unternehmen, das zwischen Klippen, Riffen, Sandbänken und einladenden Häfen auf Fischfang unterwegs ist? Oder für etwas gänzlich anderes?
Wie auch immer. Nehmen wir mal an, Ihre Situation entspricht der Dynamik in der beschriebenen Metapher. Nicht nur die Umstände (Wind und Wellen) sind in kräftiger Bewegung, sondern auch die Ziele (Inseln, Häfen). Sie wissen nicht, wonach Sie zuerst Ausschau halten sollen. Das Navigieren wird zu einer permanenten, nicht enden wollenden Herausforderung .....


Orientierung – woher?

Tja, was kann nun hilfreich sein um zumindest etwas Orientierung zu finden?

Naheliegend: der – oft verzweifelte – Ruf nach dem Wohin. Der Ruf nach einer starken Hand, die das Boot durch die widrigen Zeiten und Gefilde führt. Nach Steuerung, nach Vorgaben und Struktur, nach Richtung und Ausrichtung.

Etwas anspruchsvoller mutet da schon die Frage nach dem Zweck unserer Fahrt an. Wozu, wofür sind wir unterwegs? Was ist unsere „Mission“? Was hat uns veranlasst auf dieses Boot zu steigen? Unter welcher Flagge sind wir unterwegs? Welche Sterne leiten uns? Allesamt Fragen nach Werten und Sinn ...

Blöd nur, wenn beides unbeantwortet bleibt, sich befriedigende Antworten weder auf die Frage nach dem Wohin noch auf die nach dem Wozu finden lassen. Bzw. wenn einfache Fragen nicht zu einfachen Antworten führen, sondern zu noch mehr offenen Fragen ...


Was dann?

Sehen wir mal von Fatalismus und Resignation ab. Dann bleibt eine letzte Möglichkeit. Die durchaus tröstlich sein kann, die uns neue Kraft und Orientierung verleihen kann.
Es ist die Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Das Akzeptieren der Tatsache, dass es keine weiteren Anhaltspunkte gibt. Das gleichmütige Hinnehmen von Ungewissheit.
„Jetzt ist der Augenblick der Macht!“ Angeblich eine alte schamanische Weisheit aus Hawaii. Einfache Worte von immenser Tragweite. Eine Lebensaufgabe, die sich nicht ein für alle mal erfüllen lässt. Die sich jedoch immer wieder stellt – auch jetzt in genau diesem Augenblick! – und uns daher stets neue Chancen auf Erfüllung bietet .....


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, werte/r LeserIn, einen erfüllenden Sommer!


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