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20.03.2011 | Lassen Sie sich nicht verheizen!
Lassen Sie sich nicht verheizen!


Glühlampen segnen so das Zeitliche. Meine geliebten Green Day brachten 1994 einen Song mit diesem Titel heraus. Und auch manche Höchstleister können ein traurig Lied davon singen. „Burnout“ – jeder glaubt zu wissen, was das bedeutet. Doch was verbirgt sich tatsächlich dahinter?


Burnout – Annäherung an eine Definition

Ausbrennen kann nur, wer einmal gebrannt hat. Phlegmatiker und Unternehmensbewohner (das sind die Dienst-nach-Vorschrift-SpezialistInnen) bringen es nicht so weit.
Burnout gedeiht, wenn mehrere Aspekte zusammenkommen: neben beruflichen Belastungen braucht es auch eine entsprechende persönliche Disposition (siehe Persönliche Antreiber) und überfordernde Beziehungen. Die Gesellschaft tut das Ihre dazu. Mithilfe ihrer Normen und Ideale – wie man/frau sein sollte um zu entsprechen – können wir noch mehr Öl ins Feuer gießen.

Ein großes Missverständnis: Burnout bloß als den Endzustand zu begreifen. Das absolute Ausgebrannt-Sein, der Nullpunkt. Anstelle der prozesshaften Betrachtung. Burnout als Weg bergab, hinab zur absoluten Erschöpfung. Damit kommen wir zu den ...


Phasen des Burnout

Da existieren viele Modelle – meist recht unübersichtliche mit 12 Phasen. Nicht zu merken, furchtbar. Thomas Bergner gibt es einfacher. In 3 übersichtlichen Phasen.
  • Von Phase 1 „Erhöhte Aktivität, Arbeit auf Hochtouren bei gleichzeitig angezogener seelischer Handbremse“ über
  • Phase 2 „Rückzug und Verminderung der Leistungskraft“ bis
  • Phase 3 „Sehr starke Erschöpfung, innere Leere, Passivität, Lebensunlust“.
Besonders böse daran: Phase 1 des Burnouts könnte man auch beschreiben als „Der optimale Angestellte“ – erhöhte Anstrengung und Leistungsbereitschaft bei gleichzeitig angezogener seelischer Handbremse. Und dieser Zustand kann Jahre, ja sogar Jahrzehnte andauern. Jahre, in denen der Mensch auf dem wahrscheinlichen Weg in den Abgrund noch großartige Dienste in seinem Job leistet.


Persönliche Antreiber

Innere Kräfte und Zwänge, machtvolle innere Einflüsterer. Die so genannten Antreiber machen äußere Stressfaktoren erst so richtig gefährlich.
  • Ich muss immer perfekt sein.
  • Ich muss immer stark sein.
  • Ich muss ständig hart arbeiten – ich muss mich ständig anstrengen.
  • Ich muss es ständig den Anderen recht machen.
  • Ich muss mich dauernd beeilen.
Die beste Angriffsfläche für chronisch einwirkende Stressfaktoren!
Eine Beobachtung: Je höher die Ansprüche v. a. nach Genauigkeit, Perfektion, Makellosigkeit, umso tiefer der Fall im Burnout. Umso heftiger der Zusammenbruch.


Symptome des Burnout

Je nach Phase (siehe dazu weiter oben):
  • Ärger, Aggression, Gereiztheit, gesteigerte Aktivität, innere Unzufriedenheit, Gefühl eines unerfüllten Lebens, Selbsttäuschung als Schutz (Leugnung von auftretenden Problemen)
  • Sorge/Furcht/Angst nicht mehr zu genügen, Abnahme der Leistungskraft, Enttäuschungen vermeiden, Flucht in die Distanz, Rückzug, Zynismus
  • Emotionale Erschöpfung, innere Leere, Isolation, Depression, Lähmung

Und inwiefern ist das nun typisch für unsere Zeit?

Ist Burnout bloß ein Modewort? Eine zeitgeist-typische Modeerscheinung? Oder ein Kollateralschaden der Leistungsgesellschaft? Letzteres ganz sicherlich.

Burnout ist für alle da. In den 90er-Jahren nur in helfenden Berufen bekannt, mutierte Burnout im neuen Jahrtausend zu einer modernen Managerkrankheit. Heutzutage kann man davon ausgehen, dass Burnout in allen Berufen sowohl bei MitarbeiterInnen als auch bei Führungskräften anzutreffen ist.
Zwei Erklärungen für dieses Phänomen:
  • Druck und Verantwortung werden zunehmend „nach unten“ delegiert. Das ist der Rhythmus, wo man mitmuss. Getrieben, eingespannt in die Sachzwänge, stets produktiv im Hamsterrad, permanent und überall erreichbar. Dabei Pausen einlegen?? So sind wohl die Meisten von uns unterwegs – und fühlen sich dabei ganz normal ...
  • Und: Beinahe jeder Zusammenbruch wird als „Burnout“ bezeichnet. Weil das ja mittlerweile salonfähig geworden ist. Klingt auch wesentlicher cooler als Erschöpfungszustand, Zusammenbruch oder Depression. Weil Brennen super ist ... schließlich wird es in Zusammenhang mit Motivation gebracht.
    Daher die These: Hinter manch (schlampiger) Burnout-Diagnose verbirgt sich ein Krankheitsbild, das streng genommen unter der psychiatrischen Diagnose „Depression“ laufen müsste.

Vorbeugung gegen Burnout

Burnout-Prävention: immer gut. Auch dann gut, wenn Sie gar nicht davon bedroht sind. Denn Burnout-Prävention bedeutet Wertschätzung, Anerkennung, auch und vor allem sich selbst gegenüber, für die eigenen Ressourcen sorgen, sich Gutes tun, sich Pausen gönnen und genießen, das Leben in seiner Vielfalt erleben, auch emotional.

Also ... lassen Sie sich nicht verheizen!


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