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17.05.2007 | Wege aus der Perfektionismus-Falle
Wege aus der Perfektionismus-Falle (Teil 3)


Nun haben wir hier schon einiges über Perfektionismus geschrieben: wie wir ihn definieren, was der Preis dafür ist, in welchen Formen er vorkommt usw.

Noch gab es hier jedoch keinerlei Hinweise, wie man dieses Übel – vorausgesetzt, man hat es als solches für sich erkannt – wieder loswird. Das soll sich mit diesem Artikel schleunigst ändern …


Der konstruktive Kern

Zunächst machen wir uns auf die Suche nach dem konstruktiven Kern des Perfektionismus. Es lohnt sich durchaus, nach nützlichen, positiven Anteilen zu fragen. Ganz nach dem Motto: „Jede Schwäche ist eine übertriebene Stärke!“ Oder: „In jeder Untugend lässt sich ein konstruktiver Kern finden!“

Worin liegen die Stärken der PerfektionistInnen? Sie sind meist zielstrebig, genau, verlässlich, gut strukturiert, konsequent, pünktlich … Allesamt wertvolle Eigenschaften, für die es Anerkennung von rundherum gibt – und die es zu sichern, zu bewahren gilt!
Einem Perfektionisten zu raten, diese Stärken über Bord zu werfen, würde bedeuten, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Vielmehr ist es eine Frage der Dosis, des Maßes, der Intensität. Die Kunst liegt darin, die richtige – d. h. der Situation angemessene – Balance zu finden. Balance zwischen Streben nach guten bzw. herausragenden Leistungen einerseits und Gelassenheit und Entspannung andererseits.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Haushalt: Ein wahrer Putz-Perfektionist sorgt für Ordnung und Sauberkeit auch in den Winkeln, die nicht einmal der aufmerksamste Besucher wahrnimmt. Wenn das zur Belastung wird, ist wohl etwas Gelassenheit angesagt …

Dieses Beispiel führt uns zu den Fragen, auf die es wirklich ankommt:


2 Magic Questions zum analytischen Hinterfragen des Aufwandes

Wollen Sie einmal genauer unter die Lupe nehmen, ob der Aufwand, den Sie für eine bestimmte Sache treiben, gerechtfertigt ist? Oder ob Sie bereits in die Perfektionismus-Falle getappt sind und daher unnötig viel Zeit und Energie investieren?

Nun, wenn Sie ehrlich zu sich sind, dann kennen Sie Ihre „Problemzonen“ ja ohnehin.
Wenn Sie eine bestimmte Tätigkeit xy noch genauer hinterfragen wollen, dann stellen Sie sich am besten folgende 2 Fragen (die sich in vielen Seminaren und Coachings zum Thema bereits bestens bewährt haben):


  • Was würde (schlimmstenfalls) passieren, wenn ich xy nicht (oder: mit geringerem Aufwand, in geringerer Intensität) tun würde?
  • Und: Wer würde das überhaupt bemerken? Bzw. wen würde es stören, wenn ich xy nicht (oder: mit geringerem Aufwand, in geringerer Intensität) tun würde?


Wenn Sie dabei draufkommen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts bzw. nichts Dramatisches passieren würde und nur Sie selbst es bemerken würden – nun, dann könnten Sie es mal riskieren, die Dosis/Intensität zu reduzieren.
Es einfach mal drauf ankommen zu lassen und zu schauen, was dann passiert bzw. was dann nicht passiert.

Da es PerfektionistInnen ja wichtig ist, die Kontrolle zu behalten (siehe Teil 2 dieser Artikelserie), lautet die Empfehlung, keine zu großen Schritte zu machen. Besser kleine, feine Experimente – um sich so schrittweise einem weniger perfekten Tun anzunähern.
Vielleicht schwindeln Sie für den Anfang mal ein paar kurze Momente oder Minuten der Gelassenheit in Ihren Tag hinein!? Die sich dann später einmal zu Stunden und eventuell sogar zu halben oder ganzen Gelassenheitstagen auswachsen können …


Wie es nun tatsächlich gelingen kann …

Was auch immer Sie unternehmen, um Ihren Perfektionismus in den Griff zu bekommen, ihren übertriebenen Aufwand zu reduzieren, ein wenig mehr zuzulassen etc. – was auch immer Sie tun, tun Sie’s mit Humor! Tun Sie’s mit einem Augenzwinkern! Nehmen Sie sich dabei selbst auf die Schaufel.

Wenn es Ihnen gelingt, über Ihr eigenes Verhalten oder auch über Ihre inneren Dialoge ein klein wenig zu schmunzeln, haben Sie schon gewonnen.

Das folgende Experiment für Fehler-Vermeider hat schon vielerorts für lustige Situationen gesorgt. Bauen Sie bei irgendwelchen unwichtigen Dingen absichtlich ein paar kleine, dumme Fehler ein! Entwickeln Sie damit einen lustvollen, spielerischen Umgang zu Fehlern. Und Sie werden draufkommen, wie rasch sich das Gespenst „Fehler“ in Luft auflöst.
Die Variante für Fortgeschrittene stammt übrigens von Virginia Satir: „Wenn du einen Fehler machst, dann feiere ein Fest!“

Der Königsweg bei diesem Thema ist – wie bei vielen anderen Themen auch – der des Humors.
Über sich selbst schmunzeln können führt praktisch automatisch zu mehr Gelassenheit, zur Entspannung. Über sich schmunzeln können trickst die eigene Verkrampftheit aus.

Gibt es Alternativen dazu?
Ja, sicherlich. Sie können natürlich ganz im Ernst, mit eiserner Verbissenheit die Zähne knirschend sich selbst immer wieder vorsagen: „Ich muss gelassen bleiben. Das schaff ich auch noch. Gelassenheit will ja schließlich geübt sein. Wäre doch gelacht ...“

Oder so ähnlich. Sollte das auch klappen, sagen Sie mir Bescheid. Solange ich nichts von Ihnen höre, bleib ich mal beim Schmunzeln …



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