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13.03.2010 | Aus, raus!
Aus, raus!

Reden, reden, reden. Alles in Worte fassen, alles erklären, alles besprechen. In diese Falle tappen wir BeraterInnen immer wieder mal. In der falschen Annahme, Veränderungen passieren ausschließlich über kognitive Prozesse, über Einsicht, über Sprache, über Verstehen. Daher argumentieren wir, erläutern, versuchen zu überzeugen, geben Empfehlungen und Anregungen. Und wir lassen unsere KlientInnen alles verbalisieren. Was nicht besprochen wird, kann auch nicht bearbeitet, geschweige denn gelöst werden.
Mitunter ist es hilfreich, aus diesem üblichen Muster auszubrechen. Etwa beim Beenden einer Coaching-Einheit. „Aus, raus!“ lautet dann die vielleicht etwas unhöflich anmutende Devise ...

Wie schon des Öfteren hier dargestellt, geht es mir im Coaching zumeist um Lösungen höherer Ordnung. Es hat sich als viel effektiver und auch nachhaltiger bewährt, an neuen Lösungsmustern zu arbeiten, an der Entwicklung einer konstruktiven inneren Haltung. Und dies erfolgt eben deutlich weniger über kognitive Prozesse des Verstehens und der Einsicht als vielmehr über unwillkürliche Prozesse.

Diese unwillkürlichen Prozesse laufen oft unbewusst ab – wir können sie uns zu einem Gutteil jedoch durchaus bewusst machen. Wenn es also nicht um Reden geht, welche Kanäle sind dann die zentralen?
Den einfachsten, direktesten und unmittelbarsten Zugang zu diesen unwillkürlichen Prozessen haben wir auf der körperlichen Ebene. Die Veränderung der Körperhaltung ermöglicht eine Veränderung der inneren Haltung. Daher: Raus aus der typischen Schul- und Bürohaltung des Sitzens, aufstehen und in Bewegung kommen! Dann einfach mal wahrnehmen, spüren.
Analoge Mittel wie Körperarbeit, Time-Line-Arbeit, das großräumige Aufbauen von Systemlandschaften, das Arbeiten in und mit Alltagstrance erleichtern es dem Klienten, zu sinnlich erfahrbaren Eindrücken und Erfahrungen zu gelangen. Bilder oder kleine Szenen können auftauchen, Gefühle können sich einstellen, eine neue – hoffentlich hilfreiche, konstruktive! – Stimmung kann sich breitmachen.
Auf diesen unwillkürlichen Ebenen ordnet sich manches wie von selbst neu. Wie durch Geisterhand, ohne unser willentliches Zutun. Geheimnisvoll, manchmal unbegreiflich, faszinierend! Daraus können dann jene neuartigen und besonders hilfreichen, nachhaltigen Lösungen höherer Ordnung entstehen.

Wir können bestenfalls im Nachhinein verstehen, weshalb wir eine bestimmte Haltung gewählt haben, weshalb bestimmte Bilder und Gefühle auftauchen usw. Beim Herstellen dieser hilfreichen Haltung, Bilder und Gefühle steht uns unsere Ratio oft mehr im Weg als dass sie uns dabei unterstützt.


Wenn es darum geht, eine Coaching-Einheit abzuschließen, leitet mich eine weitere wesentliche Grundüberlegung: Das Entscheidende passiert nicht im Coaching, sondern zwischen den Einheiten. Also im Alltag des Klienten. In der Aktivität wie auch in Zeiten der Entspannung.

Entscheidend ist, in welcher Stimmung der Klient aus dem Coaching rausgeht. Absolute Klarheit ist nicht immer zieldienlich. Oft ist es mir lieber, Irritation ausgelöst zu haben. Dann können sich Dinge in den darauf folgenden Stunden und Tagen neu ordnen. Wichtig ist mir, dass die Richtung, in die der Klient sein Thema bewegen will, eine konstruktive ist. Gepaart mit einer konstruktiven inneren Haltung hat er gute Chancen, zu praktikablen Lösungen zu finden. Als Coach habe ich das Vertrauen in ihn, dass es auf konstruktive Weise in ihm weiterarbeiten und sich auf zieldienliche Weise neu ordnen wird.

Was mache ich aus diesem Grund gerne zum Abschluss einer Coaching-Einheit? Ich frage den Klienten: „Brauchen Sie noch etwas, bevor ich ‚Aus, raus!’ sage?“ Ich gebe dem Klienten eventuell einen passenden Auftrag mit. Ein typischer Abschluss-Satz nach einer analogen Arbeit, etwa mit Time-Lines oder aufgebauter Systemlandschaft, kann etwa lauten: „Das war eine ganze Menge für heute. Sie werden merken, es wird in Ihnen weiterarbeiten. Bewegen Sie es in Ihrem Herzen ...!“

Übrigens: Damit zum Abschluss nicht noch irgend welche organisatorischen Dinge wie Terminabsprachen oder ähnliches zu erledigen sind, kläre ich diese gerne gleich zu Beginn einer Einheit.

Und jetzt: „Aus, raus!“


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