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18.12.2009 | Stop and go
Stop and go


Jahresende. Auch Krisenjahre gehen vorüber. Im Rückblick sogar erstaunlich rasch. Ist das bei Ihnen auch so?
Jahresende. Wieder mal Anlass innezuhalten, zur Besinnung zu kommen. Dazu war ja dieses Jahr schon während der „Hochsaison“ recht viel Gelegenheit. Ja, ja, schwarzer Humor, ich weiß. Schwarz und wohltuend.
Es war ein gutes schlechtes Jahr, dieses 2009. Rezession bringt auch Verlangsamung mit sich. Sie zwingt einen geradezu zum Innehalten. Der Trubel ist auf einmal Vergangenheit. Neue Notwendigkeiten, neue Tugenden rücken stattdessen in den Vordergrund: die Reflexion, das In-Frage-Stellen von gegenwärtig Gewohntem, die Beschäftigung mit den Themen und Aufgaben der Zukunft, bei manchen gar der Kampf ums nackte ökonomische Überleben. Andere wiederum kommen endlich mal dazu, sich Urlaub zu gönnen oder sich jenen Steckenpferden zu widmen, für die vorher Zeit und Energie fehlten.

In den Jahren vor der Wachstumsdelle, sprich Krise, kam ich mir zeitweise wie ein stockkonservativer Wanderprediger vor. Der mitunter ein Lächeln erntete, wenn er zur Gelassenheit, zum Durchschnaufen, zum Pause-Machen und zum Nichtstun anregte. „Wozu Pause, wenn ich gerade so schwungvoll auf der Hochschaubahn unterwegs bin?“ Das wird wohl in etwa die Botschaft dieses Lächelns gewesen sein.

Der Rausch des Erfolgs mag zwar ein Hochgefühl bewirken, das durchaus lange andauern kann. Und in wirtschaftlicher Hinsicht – zumindest in meinem Umfeld – ja auch äußerst lange angedauert hat. „What goes up, must come down“ sangen bereits die altehrwürdigen Blood, Sweat & Tears. Je plötzlicher und unverhoffter die Talfahrt, umso schmerzlicher.
Wehe, wenn du irgendwann mit dem dicken Brummschädel munter wirst und draufkommst: „Hoppla, der Rausch ist vorbei. Was nun ...?“ Gute Frage. Vor allem dann, wenn man sie sich zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal stellt ...

Sie können es als ein gutes Zeichen betrachten, wenn Sie sich aus eigenem Antrieb – sozusagen aus freien Stücken – für das Innehalten und die Besinnung entscheiden.
Das Leben, so wie ich es verstehe, ist charakterisiert durch das Kräftespiel von Polaritäten. Es entwickelt sich dann am reichhaltigsten, wenn beide Gegenpole ausreichend Raum erhalten. Die Polarität von Spannung und Entspannung gut hinzukriegen, ist eine lebenslange Aufgabe, die es immer wieder zu meistern gilt. Gönnen Sie sich also die Abwechslung von Power-Phasen und wirklichen Pausen, von Aktivität und das Nichtstun genießen!

Und weil’s so gut dazupasst, noch ein kurzer Rückblick auf mein persönliches Highlight des Linzer Kulturhauptstadtjahres: Da gab es zwei Oasen im Herzen der Stadt, zwei Ruhepole. Beinah geräuschlose Zonen, zumindest ohne jegliche Lärmbelästigung. Einen Ruhepol im ehemaligen Centralkino und einen im Mariendom. Eine einfache großartige Möglichkeit, dem allgegenwärtigen geschäftigen Trubel zu entkommen – die Gelegenheit zur Auszeit in der Stille.

PS: Die versprochene Fortsetzung des November-Artikels erscheint dann im nächsten Newsletter, also im Jänner 2010.


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