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30.11.2009 | Komplexe Systemlandschaften aufbauen
Coaching mit Herz, Hand und Verstand (Teil 4) – Komplexe Systemlandschaften aufbauen

Coaching mit Herz, Hand und Verstand ist ein handlungsorientierter, ganzheitlicher Ansatz. Es geht darum, im Coaching rasch ins Tun zu kommen. Ein wichtiges Vehikel dafür, das Arbeiten mit Time-Lines, wurde hier schon ausführlich dargestellt. Großräumig komplexe Systemlandschaften aufzubauen ist eine weitere häufig angewandte Vorgehensweise.

Manche Leute geben erstaunte Kommentare, wenn sie meinen Coaching-Raum betreten. Sie meinen viel „Spielzeug“ vorzufinden. Spielzeug? Nun, es ist wohl mehr Werkzeug als Spielzeug. Wobei es durchaus dazu dient, eine gewisse spielerische Leichtigkeit mit hinein zu bringen.

Wozu nutze ich all die Dinge, die ich im Laufe der letzten Jahre gesammelt habe? In erster Linie dazu, großräumig komplexe Systemlandschaften aufzubauen.
Unter einer Systemlandschaft verstehe ich die verschiedenen Systeme, in denen der Klient sich bewegt, quasi seine Heimatsysteme, sein direktes Umfeld mit den wesentlichen Einflussgrößen. Das kann nun sein:
  • das privat-persönliche Umfeld (PartnerIn, Familie, Freundeskreis, auch wesentliche materielle Faktoren wie Eigentum, Schulden etc.),
  • ein institutionelles Umfeld (Interessensvertretungen, Vereine, Verwaltung, NGO’s, psycho-soziale Einrichtungen etc.),
  • das betriebliche Umfeld innerhalb der eigenen Organisation (Vorgesetzte, MitarbeiterInnen, Teams, interne Kunden etc.) sowie
  • das externe wirtschaftliche Umfeld außerhalb der Unternehmensgrenzen mit dem Markt, den Kunden, Lieferanten, Wettbewerbern, Kooperationspartnern und anderen Einfluss nehmenden Gruppen.
Oft werden - je nach Anliegen der KlientInnen - mehrere dieser Umwelten nebeneinander aufgebaut. Die wohl am häufigsten vorkommende Variante ist die, mit KlientInnen aus einer Organisation ihr betriebliches Umfeld, ihr betriebliches System und das äußere Umfeld aufzubauen.

Im Coaching bauen wir die Systemlandschaft großräumig auf, so dass sich der Klient später in dieser Landschaft bewegen kann. Dabei agieren wir in den vier Dimensionen Richtung, Fläche, Höhe und Zeit.
Seilkreise markieren die Organisation als Ganzes, Subsysteme und Aufgabenfelder. In diese Kreise kommen Figuren für alle relevanten Personen: Figuren in verschiedenen Größen aus Holz oder Kunststoff. Es entstehen Reviere. Empfundene Nähe und Distanz werden räumlich dargestellt.
Durch verschiedene Größen der Figuren sowie durch Podeste kommt die dritte Dimension ins Spiel. Leitungspodeste verdeutlichen Hierarchien, Positionsmacht und Entscheidungskompetenz: Je höher, umso mächtiger. Wenn das System so dargestellt wird, lässt es viel Raum zur Interpretation.
Zur Orientierung in der Zeit, der vierten Dimension, benutzen wir Time-Lines. Die progressiven Teile des Systems werden Richtung Zukunft aufgebaut, die bewahrenden Kräfte kommen Richtung Vergangenheit.

Systemdynamiken werden veranschaulicht und auf vielfältige Weise erlebbar gemacht. Schon während des Aufbauens können ganz wesentliche innere Prozesse beim Klienten ablaufen: Neue Sichtweisen, neue Perspektiven, Zusammenhänge werden auf einmal deutlich, Nähe-Distanz-Verhältnisse und dergleichen mehr.
Durch die Aktivität, durch das Herumgehen und das Experimentieren mit der Landschaft, durch die Bewegung also und durch das ganzheitliche Wahrnehmen kommen verschiedene Sinneskanäle mit ins Spiel. Wie spürt sich das an? Wonach sieht das aus? Was könnte hier gesprochen werden? Ist dies ein stimmiges Gesamtbild? Was spüre ich, wenn ich dabei in meinen Körper hineinhorche? Und welche Impulse tauchen auf, wie ich mich in dieser Landschaft bewegen könnte ...?

Mehr dazu im nächsten Monat. Ausführlicher beschrieben ist die Methodik in unserem Buch "Coaching und Systemische Supervision mit Herz, Hand und Verstand. Handlungsorientiert arbeiten, Systeme aufbauen".

Wollen Sie die beschriebenen Coaching-Methoden näher kennen lernen, habe ich zum Abschluss noch einen Seminartipp für Sie. Nähere Infos dazu bei der inoVato-Akademie bzw. hier!


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