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10.08.2009 | Coaching mit Herz, Hand und Verstand
Coaching mit Herz, Hand und Verstand (Teil 1): Eine konstruktive innere Haltung, der Schlüssel zu nachhaltigen Lösungen

Weshalb greifen einfache, direkt gegebene Lösungsvorschläge im Coaching meist zu kurz?
Menschen, die sich ein Coaching gönnen, haben schon davor eine Menge an Überlegungen angestellt. Haben gegrübelt, wie sie mit ihrer Situation fertig werden können, was sie tun oder lassen sollen. Und haben vielleicht auch bereits das eine oder andere versucht. Die Entscheidung, professionelle Unterstützung für das eigene Anliegen in Anspruch zu nehmen, hat fast immer eine Vorgeschichte dieser Art.
Coaching, das nun vorschnell mit Ratschlägen, Rezepten und Lösungsvorschlägen agiert, setzt diese – für den Klienten unbefriedigende – Vorgeschichte mit ähnlichen Mitteln fort. Es wird den Anliegen des Klienten nur selten gerecht.
Vielmehr ist es die Arbeit an einer konstruktiven inneren Haltung, die eine Tür zu wirkungsvollen, nachhaltigen Lösungen öffnet ...

Nehmen wir ein konkretes Beispiel:
Ein 47-jähriger Projektmanager aus der EDV-Branche möchte im Coaching Anregungen erhalten, wie er seine ins Stocken geratene Abschlussarbeit für eine Fortbildung fertig stellen kann. Er benötigt den Abschluss für seinen beruflichen Aufstieg. Ich erlebe ihn zu Beginn des Coachings sehr bedrückt, wie niedergeschlagen. Ihm fehlt der Antrieb, die Motivation, seine Abschlussarbeit fertig zu stellen. Seinen Job wie auch seine private Situation empfindet er als äußerst unbefriedigend. Diese Grundstimmung drückt sich in seiner gebeugten Körperhaltung und in seiner schwarzen Kleidung aus.
In vier Doppeleinheiten Coaching und vor allem in den Zeiten dazwischen entwickelt er nach und nach wieder eine positive Einstellung zu sich und zu seinem beruflichen Können, zu seinen Fähigkeiten und Erfahrungen.
Beim Erstgespräch frage ich nach, was er denn besonders gerne macht, was ihm Energie gibt etc. Unter anderem führt er sein in letzter Zeit zu kurz gekommenes Hobby an, das Fotografieren. Früher war er begeisterter Landschaftsfotograf und nahm auch an mehreren Wettbewerben erfolgreich teil.
Wir beginnen mit einer Time-Line-Arbeit. Diese ermöglicht es ihm, dass seine Stimmung umschwingen kann. In eine konstruktive innere Grundhaltung, eine Mischung aus: Energie, Zuversicht, „Ich nehme es etwas leichter“, „Das Leben hat viel zu bieten“, Orientierung an Erfolgen, Stärken und Interessen, eine kleine Portion Genießen-Können und Humor. In weiterer Folge arbeiten wir an seinen Persönlichkeitsanteilen, Ressourcen und Perspektiven.
Als ich einige Monate nach Abschluss des Coachings nachfrage, was er als hilfreich empfunden hat, nennt er vor allem zwei Dinge: den „Punkt in der fernen Zukunft“ (eine wesentliche Erfahrung in der Time-Line-Arbeit), da habe er die Bilder und Visionen noch sehr präsent. Die hole er sich oft vor sein inneres Auge, besonders wenn ihm seine Zuversicht abhanden kommt. Als zweites nennt er die neu entfachte Begeisterung für das Fotografieren, einer offenbar wesentlichen Ressource und Energiequelle. Er habe seine Fortbildung erfolgreich abgeschlossen. Seine Freude am Leben hat er wieder gefunden und neuen Mut gefasst. Dieser hat ihn zu privatem Glück beflügelt. Er hat auch eine neue berufliche Herausforderung angepackt. Interessanterweise hatten wir an diesen Themen gar nicht explizit gearbeitet …

Natürlich wäre es auch möglich gewesen, dem Klienten Tipps und Ratschläge zu geben. Etwa, wie er sich selbst und seinen Arbeitstag besser organisieren kann. Wie er die nötige Motivation entwickeln kann, die er zum Abschluss seiner Arbeit braucht. Auf wen in seinem Umfeld er dabei Rücksicht nehmen sollte. Mit welchen Tools er planen, Erfolge erzielen und sie dann auch feiern kann etc. All dies wären “Lösungen erster Ordnung“ gewesen - ein Begriff, der meines Wissens von Watzlawick eingeführt wurde und unter anderem auf den kybernetischen Überlegungen von Heinz von Foerster basiert.
Durchaus okay, nichts dagegen einzuwenden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Interventionen dieser Art oft relativ schnell verpuffen. Dass das Durchhaltevermögen der KlientInnen letztlich nicht ausreicht, um stärkerem Gegenwind von außen wie auch von innen standzuhalten.

Ich habe einen anderen Weg gewählt. Einen, auf dessen Wirkung ich voll vertraue und dessen Kraft sich – wie auch in diesem Fall – immer wieder zeigt.

Der Stimmungsumschwung raus aus der Verkrampfung hin zur Gelöstheit ermöglicht eine neue innere Haltung beim Klienten. Was auch ihm nun in seinem beruflichen oder privaten Leben begegnet, er wird es anders wahrnehmen als zuvor. Er wird anders darauf zugehen bzw. damit umgehen. Und er wird so (selbst!) zu neuen Lösungswegen finden.
Zentrale Aufgabe des Coachs ist es also, dafür zu sorgen, dass der/die KlientIn eine hilfreiche, zieldienliche, also konstruktive innere Haltung entwickelt. Insofern ist das Erzielen eines Stimmungsumschwungs hin zu einer konstruktiven inneren Haltung bereits eine „Lösung höherer Ordnung“. Eine Lösung, die völlig neue Möglichkeiten eröffnet.

In den nächsten Monaten werde ich Ihnen einige methodische Ansätze vorstellen, die sich in der Praxis dafür bestens bewährt haben.


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