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25.05.2009 | Coming out (Teil 1)
Coming out

Die Zeiten sind rau. In Österreich ist zudem ein übel riechender politischer Wind deutlich stärker geworden. Ich meine die verbalen Brachialrülpser vom rechten Rand und die teils verharmlosenden Reaktionen darauf. Allesamt menschenverachtende Worte, die auf billige Weise Emotionen, Vorbehalte und Einstellungen bedienen. Worte, die ein Klima schaffen bzw. verstärken, in dem sich dann menschenverachtende Taten leichter entfalten können.

Immerhin haben in den letzten Tagen manche, die sich bisher eher zurückhielten, recht klare Worte gefunden. Sogar der österreichische Bundeskanzler hat sich zumindest einmal deutlich zu Wort gemeldet. Und dabei ist das seine Stärke nicht …
Auch mir ist jetzt einmal so richtig der Kragen geplatzt - ich habe einen anständigen Zorn entwickelt.

Das Niveau der politischen Auseinandersetzung in Österreich ist ein Jammer. Das äußert sich darin, dass ein Gutteil der medialen Berichterstattung auf Grundschulniveau passiert: viele Bilder, große Überschriften, reißerische Berichte, Schlagworte, simplifizierende Darstellungen, wenig Text … Das gilt für Printmedien (Tages- und Wochenblätter) ebenso wie für elektronische Medien (z.B. ORF 1, Ö3, Privatsender). Mit beachtlichen Quoten- und Verkaufserfolgen: Nach wie vor liegt etwa die „Kronenzeitung“ bei einer Reichweite, von denen selbst die offiziellen Printmedien in Ein-Parteien-Diktaturen nur träumen können. Wann wird wohl der Berlusconi seine Finger nach der „Krone“ ausstrecken? Die wäre wohl ganz nach seinem Geschmack …

Ich schweife ab. Wir waren beim Niveau. Und zwar beim niedrigen … damit komme ich nahtlos zu den beiden Rechtsaußen in der österreichischen Parteienlandschaft. Die bringen mitunter kabarettistisch anmutende Ergüsse hervor, siehe etwa die Rede des Herrn Karl Schwab (FPÖ) im niederösterreichischen Landtag. Auf Youtube ist das mehrminütige Kunstwerk zu bewundern – für ein kleines Amüsement zwischendurch absolut zu empfehlen. Oder auch die TV-Auftritte der Herren Westenthaler, Petzner und Co. Jetzt könnte man sagen: Jedes Volk hat jene PolitikerInnen, die es verdient. Quasi als Spiegel der Gesellschaft. Die Politik als Bühne, auch darüber könnte man noch lachen … wenn nicht … ja, wenn nicht diese Gestalten so viel an Macht und Einfluss hätten. Brrrr!
Schließlich geht es in der Politik um etwas. Um nichts Geringeres als die Rahmenbedingungen für die Lebensumstände der Menschen. PolitikerInnen treffen Beschlüsse und Entscheidungen. Etwa, welche Steuern eingehoben werden, wie diese Mittel dann verteilt werden. Oder Gesetze, die das Zusammenleben regeln, Gesetze, die Spielregeln für das Miteinander und Nebeneinander in unserem Land darstellen. Allesamt keine Kleinigkeiten.
Und dann bieten diese Figuren „Lösungen“ an, „Lösungen“ für brisante gesellschaftliche Fragen. Meist nach dem Motto: Der Topf ist heiß, schnell einen passenden Deckel drauf, am besten der mit den Sündenböcken, der hat schon öfters funktioniert.

Intellektuell hat da schon der Einstein widersprochen: „Für jedes noch so komplexe Problem gibt es eine ganz einfache Lösung – doch die ist meistens falsch.“ Das Blöde ist nur, da zählen keine Argumente, kein kühles Abwägen, intellektuell ist dem nicht beizukommen. Die Sache funktioniert ganz anders: und zwar über die emotionale Schiene.
Ängste, Emotionen, Unsicherheit, Orientierungslosigkeit? Da lässt sich doch leicht Politik machen, eine Politik der Feindseligkeit, des Gegeneinander-Aufhetzens, der Verachtung und Geringschätzung. Wie hat es Bernhard Ludwig so treffend formuliert: „Wenn man ein kleines Selbstwertgefühl hat, braucht man ein Leben lang nichts zusammenbringen, sondern man schaut nur: ‚Wo ist wer blöder als ich?’ … Am besten gleich mit großen Gruppen, ‚Angry Generalization’, ganze Gruppen sind deppert, die, die, die sind alle deppert, mah sind die deppert …“ Oder anders formuliert: Jedem sein Tschusch, auf den er herabblicken kann.
Das in Kombination mit geschickt geschürten Ängsten und Vorbehalten vor „dem Fremden“ – und schon ist dieser brisante Cocktail fertig. Ich befürchte – und da bin ich bei weitem nicht der einzige – dass selbst im ruhigen Österreich die Übergriffe in den nächsten Monaten und Jahren an Anzahl, Schärfe und Brutalität noch zunehmen werden.

Stellt sich also für mich die Frage: Was kann ich tun? Wo kann ich gegensteuern? Als Berater, Coach, Trainer?
Ich sehe grundsätzlich zwei mächtige Hebel – neben der politischen Betätigung im engeren Sinne, die nicht so sehr das Meine ist. Dazu mehr im nächsten Monat …


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