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23.01.2009 | Das Managen der Ungewissheit
Das Managen der Ungewissheit

Werte/r LeserIn,

Das neue Jahr hat begonnen. Ein besonderes neues Jahr, dessen wirtschaftliche Entwicklung aus heutiger Sicht höchst ungewiss ist. Wesentlich heftiger als in den Jahren davor sind viele Wirtschaftstreibende, Führungskräfte, EntwicklerInnen, BeraterInnen etc. verunsichert.
Aufgrund der Turbulenzen der letzten Monate stellen sie sich Fragen wie: Wann wird der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise erreicht sein? Wann können wir mit dem Turnaround rechnen? Können wir 2009 überhaupt damit rechnen? Stimmt unsere Strategie, unser Risikomanagement? Welche Auswirkungen hat das für mich persönlich? Wie agiere ich in solchen Zeiten, wie soll ich agieren? Wie gehe ich auf meine Kunden, Kooperationspartner, Lieferanten und MitarbeiterInnen zu? Wie schaffe ich es, unter solch ungewissen Bedingungen eine zieldienliche Melange aus Realitätssinn, Orientierung und Zuversicht hinzukriegen?

Lassen Sie mich zuerst noch mal kräftig über diese Krise schimpfen. Zugegeben, ich blicke nicht durch, was die Ereignisse auf den globalen Finanzmärkten angeht. Die Geldsummen, um die es dabei geht, erreichen Dimensionen, die ich nicht einmal annähernd fassen oder begreifen kann. Die Vorgänge sind für mich undurchschaubar komplex, inklusive all der wechselseitigen Abhängigkeiten von Banken, Fonds, Unternehmen und Institutionen, die sich jetzt im Begriff der „Vertrauenskrise“ niederschlagen.
Ich kann dabei bloß nachplappern, was – für mich glaubwürdige, ernst zu nehmende – ExpertInnen zur Analyse der Lage von sich geben. Denn bei diesen Dimensionen maße ich mir nicht an, ein eigenständiges Urteil abzugeben.


Worin besteht für mich die Essenz der Krise, der Ereignisse des Herbstes 2008?

Eine „Blase“ ist geplatzt, ein System, das auf höchst labilen Konstrukten basiert, hat sich selbst ad absurdum geführt. Kritiker wie Attac weisen nun darauf hin, dass sie bereits seit Monaten, ja sogar seit Jahren vor diesem Kollaps gewarnt und deutlich spürbare Regulative der Finanzmärkte gefordert haben. Wir – und da schließe ich mich durchaus ein – haben uns von den Blendern, Zweckoptimisten, Finanzberatern und Verkäufern einkochen und einlullen lassen. Wie sich jetzt herausgestellt hat, haben wir Luftschlösser auf Scheingewissheiten und vorgegaukelten Sicherheiten gebaut.

Wenn es sich dabei bloß auf die Vernichtung der virtuellen Werte, der spekulativen Buchwerte von Aktien etc. beschränken würde, wäre alles halb so schlimm. Doch nun geraten immer mehr Teile der so genannten „Realwirtschaft“ ins Trudeln. Böse!
Eigentlich ein eigenartiger Begriff, „Realwirtschaft“. Er legt nahe, dass es auch so etwas wie „Irrealwirtschaft“ gibt ...
Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren hohe Profite aus ihren Finanzgeschäften erzielt, nicht aus ihrem üblichen Kernbusiness heraus. So lange die Zahlen stimmten, wurde kaum hinterfragt, woher dieses „EUT“ (= Ergebnis ungewöhnlicher Geschäftstätigkeit) stammte. Böse nun, dass vor allem diejenigen die Suppe auszulöffeln haben, die am wenigsten dafür verantwortlich sind: etwa LeasingmitarbeiterInnen, die als allererste aufs Abstellgleis gestellt werden.


Vielleicht sagen Sie jetzt, der Theuretzbacher hat leicht reden. Jetzt sind wir ja alle schlauer – na hoffentlich!!


Was sind denn nun die „Lessons learned“ aus diesen bitteren Erfahrungen?

  • Auf jeden Fall müssen wir uns wieder der Ungewissheit stellen. Die Komfortzone stetigen, bequemen Wachstums ist – dort, wo es sie gab – erst mal passé. Niemand kann seriös prophezeien, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden.
  • Wir werden daher wohl skeptischer und wachsamer auf Personen reagieren, die uns mit „absolut wasserdichten“ Rendite-Versprechungen ködern wollen.
  • Strategiearbeit wird sich daher voraussichtlich alter Tugenden erinnern. Die Fokussierung auf eigene Stärken sowie auf die tatsächlichen Bedarfe des Marktes wird ein Revival erleben, Überlegungen zur Streuung bzw. Minimierung des Risikos werden wieder eine größere Rolle spielen. So hat etwa die Frage, ob unsere Kunden überhaupt in der Lage sind, sich unsere Leistungen zu leisten, eine traurige Aktualität in vielen Branchen erhalten.
  • Und letzten Endes wird wohl jede/r Einzelne einige schmerzhafte Erkenntnisse aus der ganzen Geschichte gezogen haben. Nächstes Mal will ich hier ein paar Überlegungen anstellen, wie diese Konsequenzen auf persönlicher Ebene konstruktiv und hilfreich ausfallen können …



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