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17.12.2008 | Einige Gedanken zum Innehalten
Einige Gedanken zum Innehalten

Was haben der Abt des Stifts Schlägl, der deutsche Hirnforscher Gerald Hüther und die Adventzeit - Sie wissen schon, die ruhigste Zeit des Jahres … - gemeinsam?
Sie laden ein zum Innehalten …

Die Tage sind kurz, die Zeit ist dunkel, die Hoffnung lebt, dass es wieder Licht wird. Viele reden von Besinnung.
Gelegenheit für mich, ein wenig auf unsere Sprache und da besonders auf die Wortfamilie „Sinn“ zu blicken: sich besinnen, Sinn finden, Sinn geben, Sinn stiften, mit allen Sinnen, sinnlich, nicht ganz bei Sinnen sein, sinnieren, zur Besinnung kommen.

Ein weiteres gern verwendetes Wort, ganz ähnlich in seiner Bedeutung und doch völlig anders in den Bildern, die transportiert werden: „innehalten“.

Letztes Jahr war es mir gegönnt, am Stift Schlägl im hohen Mühlviertel den dortigen Abt kennen zu lernen. Er sprach im Rahmen der Klausur eines Managementteams über Spiritualität und Führung und sagte da unter anderem folgendes: „Innehalten heißt auch: dem Innen einen Halt geben.“ So sei das Gebet bzw. die Contemplatio in der Lehre des Hl. Benedikt eine Form, dem Inneren Halt zu verleihen.

An dieser Stelle fiel mir eine Parallele zum bekannten deutschen Hirnforscher Gerald Hüther ein. In Salzburg referierte Hüther 2005 am Symposion „Dem Sinn Leben geben“ über innere Leitbilder und entwickelte am Ende seines Vortrags folgenden spannenden Gedankengang: Der Mensch stehe in seiner Entwicklung am evolutionären Übergang vom Insekt zum Wirbeltier. Was meint er damit?
Die alten Orientierungen und Werte, wie fix geregelte Familiensysteme, Tagesabläufe und rigide Geschlechterrollen etc. sind längst passé, wenngleich in ihren Auswirkungen noch vielerorts deutlich spürbar. Der enge, Sicherheit, Struktur und Stabilität gebende Panzer hat ausgedient. Ein neues Wertesystem in ähnlicher Weise ist allerdings nicht am Horizont zu erkennen.
Daher ist laut Hüther jeder Mensch gefordert, von innen, aus sich selbst heraus einen Stützapparat, gleich einer Wirbelsäule, zu entwickeln. Einen Stützapparat, der Stabilität verleiht, der Orientierung, Sinn und damit auch Antworten auf die zentralen Fragen gibt: Was sind meine Werte? Was ist mir wichtig? Was sind meine Leitbilder und Leitgedanken?

Um diesen inneren Halt für sich zu finden, heißt es also: sich besinnen! Und dazu ist ja jetzt die beste Zeit …


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