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19.09.2008 | Analoge Methoden
Analoge Methoden in Coaching, Beratung und Training

Werte Leserin, werter Leser, gerne möchte ich eine besondere Faszination mit Ihnen teilen. Ich lade Sie ein, mir in ein Land von Bildern, Metaphern, Gefühlen, Vergleichen, Stimmungen und Stimmen, Gedanken und Empfindungen zu folgen.
„Analog“ lautet das Zauberwort. Und es geht um Methoden in Coaching, Beratung und Training.
Methoden sind Mittel zum Zweck. Und wenn wir Lösungen im Sinne unserer Kunden ermöglichen wollen, sind analoge Methoden meist gute Mittel zum Zweck, meine ich.

Bevor ich Ihnen näher bringe, weshalb ich denn so von diesen Methoden fasziniert bin, will ich erst mal erklären, was ich unter analogen Mitteln verstehe:

Nun, analog bedeutet „etwas anderem entsprechend“, „gleichartig“, „so wie“. Eine Analogie ist eine Entsprechung. Wir vergleichen und stellen fest: „Das ist ungefähr so wie …“ oder gar „genau so wie ...“.
Die Welt – eigentlich unsere Wahrnehmung derselben – bietet uns ein Sammelsurium an Bildern, Eindrücken, Gerüchen, Stimmen, Musik, Geräuschen, Bewegungen, Empfindungen. Wir erleben sie mit all unseren Sinnen, sehen, hören und/oder spüren etwas dabei, vielleicht riechen wir sogar etwas. Unmittelbares, konkretes Wahrnehmen, sinnliches Erleben.
Das trifft natürlich gleichermaßen auf das berufliche wie das private Umfeld zu.

Analoge Methoden geben diese Vielfalt wieder, stellen Entsprechungen her, docken im Kleinen auf sinnliche Art und Weise direkt an diese Buntheit und Komplexität an. Gegensätze dürfen ruhig nebeneinander existieren, die Komplexität wird fassbar, (be)greifbar. „Und“ lautet die Devise – und nicht „entweder oder“. Da wird nicht losgelöst und abstrakt abgehandelt, da verzichten wir auf Tabellen, exakte Definitionen und Festschreibungen, auf Statistiken und anderes. Stattdessen kommen Bilder und andere Entsprechungen zum Einsatz, da wird aufgebaut, herumexperimentiert, begangen, bespielt und bewegt, dazu gespürt, geschaut, gehorcht.
Analoge Methoden wirken daher unmittelbar, konkret und direkt.

Der Gegenpol dazu lautet digital. Digital wird’s, wenn wir abstrahieren, die Komplexität reduzieren, in Entweder-oder-Kategorien beschreiben, reflektieren, analysieren, erklären und verstehen wollen.
1 oder 0, darauf baut die binäre Logik auf. Alles ist entweder A oder Nicht-A. Entweder ist es so oder anders, aber niemals gleichzeitig beides.
Es ist die Logik, die Sie brauchen, wenn Sie Fragen nur mit Ja oder Nein beantworten dürfen – 1 oder 0, schwarz oder weiß. Dies ist allerdings auch die Logik, die Sie zum Verzweifeln bringen kann. Etwa, wenn Sie sich einfache Fragen zum Leben stellen (Wohin soll die Reise gehen?), zu Ihrer Person (Wie bin ich drauf?), zu Ihrem Job (Gefällt mir meine Arbeit?) oder zu Ihrem Umfeld (Auf wen kann ich zählen?)...
Der Begriff Digitalisierung bezeichnet laut Wikipedia die Überführung kontinuierlicher Größen in diskrete Werte. Kein technisches System kann z. B. alle Farben oder alle Möglichkeiten der Helligkeit wiedergeben. Daher wird die enorme Bandbreite auf eine technisch machbare Menge an möglichen Farb- und Helligkeitswerten reduziert. Beim digitalen Foto etwa wird neben der Pixelzahl (also der Auflösung) auch die Farbtiefe definiert.
Digitale Inhalte zu entschlüsseln – z. B. abstrakte Abhandlungen wie genau diese, die Sie jetzt lesen – bedeutet Kopfarbeit. Wir denken mehr oder weniger angestrengt nach, unser Großhirn arbeitet auf Hochtouren, der Kopf raucht (das wiederum ist ein analoges Bild!).
Gespräche, die sich ausschließlich im digitalen Bereich bewegen, werden übrigens in Österreich liebevoll als „Hirnwichserei“ bezeichnet (womit wir schon wieder einen wunderschönen analogen Begriff dafür haben!). Diese Gespräche sind oft ermüdend, bleiben mitunter langweilig und leer, weil losgelöst vom emotionalen Erleben.

Noch mal zurück zu „analogen Mitteln“. Diese sind konkret, angreifbar, erlebbar, sichtbar, hörbar, spürbar: Geschichten, Bilder, Metaphern, Gegenstände, Erfahrungen, Menschen, Pflanzen, Emotionen, Empfindungen etc., die ins Spiel gebracht werden.
So gesehen kein Wunder, dass diese Methoden Menschen stark bewegen können. Dass sie so vielfältig einsetzbar und leicht adaptierbar sind, dass sie prozessorientiert verwendet werden können und so nachhaltig ankern.

In den nächsten Artikeln werde ich Ihnen dann einige Beispiele dazu geben.


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