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16.07.2008 | Fußball, Fußball über alles ...!?
Fußball, Fußball über alles …!?
Eine Nachbetrachtung der Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich


Das war sie also, die Euro 08. Und ich sage Ihnen, ich habe sie genossen. Diese groß angelegte Inszenierung eines doch recht einfachen Spiels. Mit dem passenden Ambiente - Public Viewing oder gemütlich vor dem TV mit Freunden - wurden es einige sehr vergnügliche Abende.

Gelegenheit für mich, hier eine Bilanz aus zweifachem Blickwinkel wagen. Zum einen aus interessierter Laien-Sicht das sportliche Geschehen betreffend. Und zum anderen frage ich mich: Welche Erkenntnisse lassen sich aus diesem Fußball-Turnier für die Personalentwicklung bzw. für die Unternehmensentwicklung gewinnen?

Zuerst zum Sportlichen.
  • Das Turnier war zumeist sehr unterhaltsam. Attraktiver Fußball wurde belohnt (Spanien, Niederlande, Portugal, Russland, tlw. auch Deutschland), einfallsloses Verwalten einer knappen Führung oder eines 0:0 (Griechenland, Italien, Rumänien) mit frühem Ausscheiden bestraft.
  • Dass man es als Zuseher auch äußerst blöd erwischen konnte, bewies ein Bekannter. Er hatte Tickets für ein Spiel der attraktivsten aller Vorrunden-Gruppen erstanden und fuhr voller Vorfreude 700 km mit dem Zug nach Zürich. Um dann zu erleben, wie Frankreich und Rumänien im wohl miesesten aller Matches ein ödes 0:0 zustande brachten. Seine Erfahrung könnte man als Bestätigung von Murphy’s Law verstehen: “Egal wie du es anstellst, du erwischst stets die schlechteste Variante …“
  • Ganz anders meine EM-Erlebnisse vor den TV-Geräten bzw. Großprojektionsflächen: Unter die Haut gingen da tragische Momente wie das Ausscheiden der favorisierten Portugiesen und der – zum falschen Zeitpunkt – überragenden Niederländer oder der Abgang des Schweizers Alexander Frei, der sich gleich im Auftaktspiel böse verletzte.
    Die Krimis dieser EM wurden von den Türken geschrieben. Zweimal bereits in der Vorrunde ein Match umgedreht, dabei die durchaus starken Schweizer (in Regen und Schlamm) und ebensolchen Tschechen entnervt. Dann die dramatische Schlussphase im Viertelfinale gegen Kroatien – Sie erinnern sich? 1:0 Kroatien in der 119. Minute, also knapp vor Ende der Verlängerung, 1:1 Türkei gleich im Gegenzug, also in der 121. Minute, Elfmeterschießen, die jungen Kroaten nun völlig von der Rolle. Und zum Abschluss natürlich der tapfere Kampf gegen die effektiven Deutschen. Die wiederum nur das taten, was sie unbedingt tun mussten, was gegen die personell arg gebeutelten Türken gerade noch reichte.
  • Ich dachte, Österreich würde wohl wieder mal moralischer Sieger des Turniers werden. Doch auch in dieser Disziplin haben sich andere wie z. B. die Türken vorgedrängt. Was soll’s? Die Tourismus-Branche wird’s freuen, denn Österreich hat durch dieses Turnier sein Image als freundlicher Gastgeber gestärkt ;-)


Welche Gedanken löst nun dieses Turnier bei mir als Personal- und Unternehmensentwickler aus?
  • Der große Star war das Team – der Europameister Spanien das beste Beispiel dafür: viele hochkarätige Teamplayer, niemand davon am Ego-Trip, keine Starallüren, sehr beweglich, kreativ und vielseitig.
  • Wiederum Spanien wie auch Türkei und Niederlande zeigen: Teamchefs, die mit Konsequenz und Härte führen und dabei vor den vermeintlich großen Stars (wie Raul, Seedorf …) nicht in die Knie gehen, werden mit Respekt belohnt. Respekt von außen (durchaus wertschätzende Berichterstattung in den Medien) sowie von innen (Umsetzung der Trainer-Vorgaben durch die Spieler). Und werden – so der Erfolg sich dann einstellt – in ihrem harten Auftreten bestätigt.
Auch abseits der Stadien gab es Interessantes zu beobachten:
  • Es heißt: Fußball ist ein Völker verbindender Sport. Das mag stimmen, ich jedenfalls konnte es eher im kleinen Maßstab beobachten: Personen, die einander vorher völlig fremd waren, Nachbarn, Freunde, aber auch Familienmitglieder finden über das gemeinsame Interesse wesentlich schneller einen Draht zueinander als unter normalen Umständen für möglich gehalten.
  • Als Kontrapunkt zum normierten, standardisierten Alltag, der oft durch die öde Wiederholung der ewig gleichen Muster charakterisiert ist, tut es gut, Felder vorzufinden, wo man sich mal so richtig austoben (singen, grölen, hupen, schimpfen, lachen, tanzen etc.) kann. Auch wenn diese zugegebenermaßen dann wieder einer eigenen Normierung unterliegen … immerhin mal ein bisschen Abwechslung.
  • Viele Menschen reagieren allergisch, wenn eine übermächtige Zentrale – hier die UEFA – alles bis ins letzte Detail (wie Getränkesorten und –preise) durchplant, vorgibt und kontrolliert. Die überorganisierten Fanmeilen hatten nur bei wenigen Spielen regen Zulauf, dafür profitierten viele kleine selbst organisierte Inseln der Gastlichkeit.
  • Und: Nach der tage- bzw. wochenlangen Event-Überflutung tut die Ruhe danach (und auch bereits zwischendurch!) umso wohler!


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