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19.02.2019 | Coaching schafft Räume - vier


Spieglein, Spieglein an der Wand ...
 
Sie wollen sich in einer sich immer wieder neu ordnenden Welt behaupten – und das auf erfolgreiche Weise? Also nicht bloß durchkommen und überleben, sondern den Kopf oben halten, (mit-)gestalten, Zeichen setzen und Spuren hinterlassen? Dies alles im Einklang mit Ihren Werten?
Schön, ein Hoch auf Ihre Ansprüche! Solche Menschen wie Sie braucht diese bewegte Zeit ganz besonders.
 
Eine erste wesentliche Voraussetzung dafür sowie für persönliche Weiterentwicklung generell: Selbsterkenntnis!
Also Antworten auf die Fragen: Wer bin ich? Wie bin ich? Was ist mir wichtig? Wie ticke ich? Nach welchen Werten agiere ich? Was tue ich, wie handle ich, was vermeide ich? Wie wirke ich? Etc.
 
Dafür wiederum unbedingt notwendig: Reflexion!
Die Fähigkeit zur (Selbst-)Reflexion wird gerade in unsteten Zeiten als eine der Schlüsselkompetenzen für erfolgreiches Agieren betrachtet. Je turbulenter die Umstände, je höher die Geschwindigkeit des Wandels, je weniger scheinbar vom Einzelnen abhängt, umso wichtiger wird diese Qualität. Umso mehr kommt es darauf an, sich seiner selbst zu vergewissern, eine konstruktive innere Haltung zu finden, sich in sich selbst – gegebenenfalls neu – zu verorten, sich der eigenen Position gewahr zu werden und letztlich den Turbulenzen entschieden entgegenzutreten bzw. sich zumindest für ein bewusstes Handeln oder auch Nicht-Handeln zu entscheiden.
 
 
... komm zeig mir allerhand!
 
Feedback in seinen vielen verschiedenen Formen hilft uns beim Reflektieren. Es kommt von außen und kann bestärken wie auch irritieren und verunsichern. Es kann uns auf neue Spuren bringen.
Was können wir nun – u.a. im Coaching – alles als Spiegel verwenden? Persönlichkeitsprofile von kurzen Checklisten bis hin zu umfangreichen Tests, direktes Feedback durch den Coach, indirekte, eingestreute Interventionen / Suggestionen, in die Schuhe eines anderen steigen und aus dessen Perspektive sich selbst betrachten – dazu gibt es Unmengen von hilfreichen Techniken und Methoden.
Was alle gemeinsam haben: Es geht darum, sich den Spiegel vorzuhalten bzw. vorhalten zu lassen und sich wohlwollend und konstruktiv auch mit kritischen Reflexionen anzufreunden ...
 
 
Only good news?
 
So lange dies unheikle Inhalte sind, die man gespiegelt bekommt, no problem! Wehe aber, wenn es heiß wird ...
 
Wie etwa im Nachgang eines durchaus erfolgreichen Workshops, an dem die gesamte Führungscrew eines mittelständischen Unternehmens teilgenommen hatte. Mir war dabei eine Unstimmigkeit aufgefallen, nämlich, dass Schein und Sein, also propagierte Werte und tatsächliches Handeln am Workshop nicht zusammenpassten. Also konfrontierte ich bei einer Nachbesprechung den CEO mit meiner kritischen Wahrnehmung, im guten Glauben, dass es tatsächlich um sachliche Reflexion als Basis für eine gute Weiterentwicklung ging. Eine kapitale Fehleinschätzung! Ich hatte übersehen, dass dieses Meeting für den CEO ein halböffentliches Forum war. Immerhin waren außer uns noch drei weitere Personen anwesend. Und meine Rückmeldung bezog sich ganz deutlich auch auf sein Verhalten am Workshop.
Der Big Boss ließ sich in keinster Weise auf die kritische Rückmeldung ein.
 
Wir hätten beinahe unseren Beratungsauftrag verloren. Im Nachhinein war mir mein Fehler sofort klar. Ich hatte die unsichtbare Linie überschritten, ich war eindeutig zu weit gegangen. So etwas machte man dort nicht. Dem CEO drohte ein Gesichtsverlust, eine Schramme in seinem – vermeintlich perfekten – Image. Was würden die Kollegen von ihm denken? Da baut man in jahrelanger konsequenter Arbeit ein Bild von sich auf, das eher gottgleich oder zumindest eines Monarchen würdig ist. Und dann kommt da so ein lästiger Externer daher und nimmt sich die Frechheit heraus, öffentlich hinauszuposaunen, dass man gar nicht so großartig und unfehlbar ist. Und das, ohne eine expliziten Auftrag dafür zu haben, quasi unaufgefordert. Unerhört!
 
 
Und die Moral von der Geschicht ...
 
Zweierlei Erkenntnisse lassen sich aus dieser schmerzhaften Erfahrung gewinnen.
Zum einen: Auf den Rahmen kommt es an! Welches Setting wählt man, was passt tatsächlich zum Anlass? In diesem Falle wäre ein 4-Augen-Gespräch natürlich deutlich erfolgversprechender gewesen als ein Meeting mit fünf Personen.
Zum anderen: Ohne Auftrag kein Auftrag! Selbst als Hofnarr – den wir Berater*innen immer wieder mal geben – sollte man sich ab und an versichern, dass Beiträge und Einwürfe tatsächlich erwünscht sind.
 
Das Tröstliche aus diesen Learnings: Coaching bietet beides – also einen vertraulichen Rahmen und zumeist auch den Auftrag bzw. die Erlaubnis zum kritischen Feedback.
 
 
 
Mehr zur Arbeit im Spiegelkabinett und anderen im Coaching hilfreichen Räumen lesen Sie im Buch „Coaching schafft Räume. Von der Mentalen Kraftkammer in die Zukunftswerkstatt – kreative Interventionen, wirksame Lösungen“, Klett-Cotta, 2017.



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