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11.02.2007 | Und …!
Und …!
Ein Plädoyer für Vielfalt und Buntheit



Das so leichtgewichtig anmutende Wörtchen „und“ hat es faustdick hinter den Ohren. Es beinhaltet eine ganze Weltanschauung, eine Lebensphilosophie, ein Lebensprinzip.
Und! So will auch ich mich hier als Schreiberling, Coach und Berater vorstellen.

Schon eigenartig: Unsere Kunden fragen uns Berater, Coaches nach einer Lösung. „Was soll ich tun? Dieses oder jenes …?!“ Der Auftrag lautet sinngemäß meist: „Unterstütze mich dabei, die Anzahl meiner Alternativen zu reduzieren, so dass nur noch eine, die beste übrig bleibt.“
In Seminaren und Trainings wollen TeilnehmerInnen oft das eine Rezept, die eine richtige Methode oder Technik bekommen. Und wenn du da als Trainer nicht aufpasst, hast du schon einen kaum zu erfüllenden (weil wie für alle passenden?) Auftrag umgehängt!

Die Lösung liegt in Lösungen. In einer Mehrzahl von Angeboten. Im Aufzeigen und Erweitern von Wahlmöglichkeiten. Wir fragen: „Und welche Möglichkeiten gibt es noch?“
Diese Frage „Und was noch?“ befreit erst mal aus der anfänglichen Zwickmühle.

„Und“ macht auf, schafft Räume zum Denken, Handeln und Experimentieren, auch Räume für Begegnung mit anderen. Erweitert den Spielraum, schafft Platz für Auswege aus der Enge. Besonders deutlich drückt dies Heinz von Foersters ethischer Imperativ aus: „Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst!“

„Und“ – vulgo „Vielfalt“, altbacken „Mannigfaltigkeit“, fremdwörtlich „Pluralität“, neudeutsch „Diversity“ – das Kind hat viele Namen. Was durchaus seinem Naturell entspricht.

Ich weiß schon. Da gibt es anders lautende Anforderungen, mit denen wir es zu tun haben. Wir sollen nicht lange herumfackeln, uns schnell Klarheit verschaffen, Alternativen ausschließen und entscheiden, zielstrebig auf eine und nur eine Lösung zugehen, dabei unsere Effizienz optimieren usw.

Von Vielfalt oder Mannigfaltigkeit ist da kaum die Rede. In die Breite denken, Gegensätze einfach mal stehen lassen können, eine bunte Palette an Möglichkeiten zu kreieren – wo ist das schon gefragt? In welchem Wertesystem ist das verankert?

Und doch: Was ist in einem dynamischen Umfeld, das sich schneller und schneller verändert, hilfreich? Unter anderem Ambiguitätstoleranz, also die Fähigkeit, Spannungen und Gegensätze auszuhalten und mit Unsicherheiten umgehen zu können.

Nehmen wir etwa einen Konflikt in einem Veränderungsprozess, der unlösbar scheint, wo übliche „Lösungen“ (z. B.: A hat Recht, oder: B gewinnt, setzt sich durch) versagen.
Probieren Sie doch mal folgendes: Lassen Sie die verschiedenen Standpunkte, Meinungen, Interessen und Sichtweisen gelten (die Vertreter erhalten damit Aufmerksamkeit, Respekt und Achtung) und setzen Sie ein „und“ dazwischen. Und dann lassen Sie sie einfach nebeneinander stehen. Möge es Ihnen gelingen, die so entstehende Spannung möglichst lange auszuhalten. Ich versichere Ihnen, Sie werden staunen, wie viele kleinere bis mittlere Konflikte sich allein schon auf diese Weise bewältigen lassen. Und wenn Sie dann das Prinzip der Vielfalt auch noch bei der Lösungssuche anwenden …

„Und“ streckt eine Hand aus, ladet ein, schlägt eine Brücke, „und“ verbindet. „Und“ wertet nicht auf und nicht ab. „Und“ lässt dem anderen genau so viel Platz. „Und“ ist einfach genial, genial einfach.
Und und und …



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